ForMotion-Programm und Modelloffensive steigern Volkswagen Ergebnis deutlich

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Wolfsburg (ots) –

Pischetsrieder: Weitere Anstrengungen notwendig, um langfristige
Zukunft des Konzerns zu sichern

– Auslieferungsrekord mit 5,24 Millionen Fahrzeugen
– Ergebnis vor Steuern um 58,2 Prozent gestiegen
– ForMotion-Ziel mit 3,5 Milliarden Euro übertroffen
– Netto-Cash-flow im Automobilgeschäft um 30,3 Prozent gesteigert
– Keine wesentlichen Impulse von Weltkonjunktur in 2006

Der Volkswagen Konzern hat dank seines ForMotion-Programms und
einer umfangreichen Modelloffensive sein Ergebnis im vergangenen Jahr
deutlich gesteigert. Das Ergebnis vor Steuern wuchs im Jahr 2005 um
58,2 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Trotz eines anhaltend
schwierigen Marktumfeldes sei es damit gelungen, die Prognosen zu
erfüllen, sagte der Vorstandsvorsitzende des Volkswagen Konzerns, Dr.
Bernd Pischetsrieder, am Dienstag bei der Vorlage der Bilanz in
Wolfsburg. „Insgesamt ist dennoch das erzielte Ergebnisniveau weiter
unbefriedigend“, betonte er. „Deshalb werden wir unser
Leistungssteigerungsprogramm als „ForMotion plus“ fortsetzen und
insbesondere die Kernmarke Volkswagen konsequent restrukturieren. Für
unseren Konzern gibt es keine Alternative. Es sind weiterhin
erhebliche Anstrengungen notwendig, um die Zukunft der Volkswagen AG
nachhaltig zu sichern“, machte Pischetsrieder deutlich.

„Wir sind im vergangenen Jahr schon große Schritte bei der
Verbesserung unserer Wettbewerbsfähigkeit vorangekommen. Dennoch darf
niemand im Konzern davon ausgehen, es seien schon alle unsere Ziele
erreicht“, betonte der Vorstandsvorsitzende. „Gemeinsam mit allen
Beteiligten muss das Volkswagen Management jetzt die Weichen stellen,
um langfristig das Überleben des Konzerns zu gewährleisten. Nur ein
erfolgreiches Unternehmen kann Arbeitsplätze sichern.“

Die Modelloffensive des Konzerns im Jahr 2005 sei erfolgreich auf
den Märkten der Welt gewesen, sagte Pischetsrieder. Durch die
Auslieferung von 5,24 Millionen Fahrzeugen an Kunden (+ 3,2 Prozent)
wurde ein Rekord erzielt. „Mit insgesamt 16 neuen Modellen und
Modellvarianten allein in Europa haben wir unsere Produktoffensive
fortgesetzt und unsere Marktanteile insbesondere in Europa gegen
einen harten Wettbewerb ausgebaut.“ Die Vielzahl der neuen Modelle
unterstreiche einmal mehr die Innovationskraft des Konzerns. Der
Umsatz stieg auf 95,3 Milliarden Euro und damit um 7,1 Prozent.

Beispielloses Modellfeuerwerk

Pischetsrieder kündigte an, der Konzern werde in diesem und im
nächsten Jahr die Modelloffensive fortführen. Allein in Europa werde
es 28 Neuheiten geben. „Wir erwarten, dass die Auslieferungen des
Konzerns weltweit leicht über dem Vorjahresniveau liegen werden, da
alle Marken mit neuen Volumenmodellen antreten“, sagte
Pischetsrieder. Nach den vorläufigen Berechnungen lieferte der
Konzern in den ersten beiden Monaten 2006 rund 790.000 Fahrzeuge
weltweit an Kunden aus, das sind etwa 15 Prozent mehr als im
Vorjahreszeitraum. Weltweit wuchs der Pkw-Markt im gleichen Zeitraum
um rund sieben Prozent.

Pischetsrieder fügte hinzu: „Der Wettbewerbsdruck auf den
weltweiten Automobilmärkten ist unvermindert hoch. Trotz steigender
Auslieferungszahlen besitzt der Volkswagen Konzern weiterhin
Überkapazitäten. Da dies auch auf einen Großteil unserer Wettbewerber
zutrifft, sind die Märkte von einem hohen Preisdruck gekennzeichnet.“

Ausblick 2006

Durch die Einführung zahlreicher neuer Modelle geht der Volkswagen
Konzern davon aus, dass die Auslieferungen an Kunden sowie die
Umsatzerlöse im laufenden Jahr erneut leicht steigen werden. Das
Operative Ergebnis vor Sondereinflüssen wird sich 2006 gegenüber 2005
verbessern. Vor allem die Maßnahmen im Rahmen von „ForMotion plus“
werden zur Senkung der Materialkosten und Optimierung der
Fertigungsprozesse beitragen. Ein zu erwartender Effekt aus den
Sondereinflüssen im laufenden Jahr kann noch nicht beziffert werden.
Im Konzernbereich Automobile wird die Investitionsquote auf einem
wettbewerbsfähigen Niveau von rund 6 Prozent liegen. Zudem werden für
das Automobilgeschäft ein positiver Netto-Cash-flow und dadurch eine
verbesserte Liquiditätssituation des Konzernbereichs Automobile sowie
eine weiter gesteigerte Netto-Liquidität erwartet.

Pischetsrieder bestätigte bei der Vorlage des Konzernabschlusses
die mittelfristige Ergebnisprognose. Sie sieht für 2008 ein
Konzernergebnis vor Steuern von 5,1 Milliarden Euro vor, was einer
Verbesserung gegenüber 2004 um 4 Milliarden Euro entspricht. „Diese
Ziele sind herausfordernd“, so Pischetsrieder. „Mit den neuen
Produkten, dem Restrukturierungsprogramm sowie ForMotion plus sind
wir jedoch zuversichtlich, diese Werte zu erreichen.“

ForMotion-Ziel übertroffen

Anlässlich der Jahrespressekonferenz im vergangenen Jahr hatte der

Konzern angekündigt, mit ForMotion das Konzernergebnis um
3,1 Milliarden Euro verbessern zu wollen. Mit einer
Leistungssteigerung von 3,5 Milliarden Euro sei dieses Ziel deutlich
übertroffen worden, so Pischetsrieder. Im Rahmen des Programms seien
im Konzern weit mehr als 10.000 einzelne Maßnahmen umgesetzt worden.
„ForMotion hat in allen Bereichen und bei allen Mitarbeitern enorme
Kräfte freigesetzt“, sagte Pischetsrieder.

Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch ergänzte: „Insbesondere durch
die gezeigte Disziplin bei der Investitionstätigkeit war es möglich,
die Netto-Liquidität im Konzernbereich Automobile gegenüber 2004 um
2,6 Milliarden Euro zu verbessern und mit 0,7 Milliarden Euro
erstmals seit 2002 wieder einen positiven Wert zu erreichen.“
Erfreulich sei vor allem, dass die Investitionen – ohne Abstriche bei
der Entwicklung neuer Modelle – gesenkt werden konnten. Pötsch: „Neue
Autos sind unsere Zukunft.“

Pötsch führte aus, dass die Konzern-Umsatzerlöse im Jahr 2005 um
6,3 Milliarden Euro gestiegen seien, wovon 5,4 Milliarden Euro auf
das Automobilgeschäft und 0,9 Milliarden Euro auf den Konzernbereich
Finanzdienstleistungen entfielen. Die 5,4 Milliarden Euro aus dem
Automobilgeschäft verteilen sich mit 2,8 Milliarden Euro auf
Volumeneffekte, mit 1,0 Milliarden Euro auf Mixverbesserung und mit
0,9 Milliarden Euro auf Preise. Aus Wechselkursen resultierte 2005 im
Gegensatz zum Vorjahr ein positiver Umsatzeinfluss von 0,7 Milliarden
Euro.

Umsatzentwicklung nach Regionen

Allein 5,1 Milliarden Euro des gesamten Umsatzanstiegs von
6,3 Milliarden Euro stammen aus der so genannten Region Europa/Übrige
Märkte (Europa sowie Türkei, Nahost, Afrika ohne Südafrika), so dass
deren Umsatzvolumen verglichen mit dem Vorjahreswert um 7,9 Prozent
stieg. In Nordamerika wurde trotz der außergewöhnlich belastenden
Marktsituation ein Umsatzwachstum von 3,1 Prozent erzielt. Auf den
Märkten in Südamerika/Südafrika gelang eine Steigerung um 25,2
Prozent. In der Region Asien-Pazifik musste hingegen ein Rückgang um
10 Prozent hingenommen werden, der sich vor allem aus rückläufigen
Lieferungen an die chinesischen Joint-Ventures ergab.

Ergebnisentwicklung 2005

„Unsere Kosten der Umsatzerlöse sind in 2005 weniger stark
gestiegen als unser Umsatz, nämlich um 5,1 Prozent vor
Sondereinflüssen. Auch hier zeigt sich die Wirksamkeit unserer
ForMotion-Anstrengungen sehr deutlich“, sagte Pötsch. Entsprechend
habe sich das Bruttoergebnis vor Sondereinflüssen um 21 Prozent auf
13,2 Milliarden Euro und die Bruttomarge um 1,6 Prozentpunkte auf
13,9 Prozent vom Umsatz verbessert. „Unterm Strich blieb ein
Operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen von 3,1 Milliarden Euro
übrig, was einer Verbesserung gegenüber 2004 um 54,3 Prozent
entspricht.“ Dabei sind die Vertriebskosten wegen der angespannten
Marktlage überproportional gestiegen. Zudem wurde das Ergebnis durch
Währungseinflüsse belastet. Nach Abzug der leicht unter Vorjahr
liegenden Sondereinflüsse aus Produktmaßnahmen sowie Struktur- und
Ablaufoptimierungen belief sich der Anstieg des Operativen
Ergebnisses sogar auf 70,0 Prozent.

Das Finanzergebnis ging auf Grund des verschlechterten Ergebnisses
aus den at Equity konsolidierten Beteiligungen im Wesentlichen wegen
der chinesischen Joint-Ventures und des Zinsergebnisses
um 516 Millionen Euro zurück. Damit verblieb ein Ergebnis vor Steuern
von 1,7 Milliarden Euro, was einer Verbesserung gegenüber 2005
um 58,2 Prozent entspricht. Nach Steuern sei damit im Jahr 2005 ein
Ergebnis von 1,1 Milliarden Euro (+ 60,7 Prozent) erwirtschaftet
worden. „Bezogen auf den Umsatz von mehr als 95 Milliarden Euro
entspricht dies einer Nachsteuerrendite von lediglich 1,2 Prozent.
Dass wir diesen Wert nicht als befriedigend ansehen können, liegt auf
der Hand“, sagte Pötsch.

Operative Ergebnisse nach Märkten (vor Sondereinflüssen)
Die Region Südamerika/Südafrika erholte sich mit einem operativen
Ergebnisanstieg um 147 auf 171 Millionen Euro. „Europa/Übrige Märkte“
entwickelte sich im operativen Ergebnis mit einem Plus von 44,2
Prozent auf 3,9 Milliarden Euro positiv. In Nordamerika blieb die
Lage mit einem operativen Verlust von 843 Millionen Euro äußerst
schwierig, vor allem auf Grund des unverändert extremen Preisdrucks
in den USA. Außerdem verschlechterte sich die Wechselkursrelation
noch weiter. Der Ergebnisrückgang auf – 88 Millionen Euro in der
Region Asien-Pazifik ist vor allem auf den erheblich verschärften
Konkurrenzdruck seit der Marktöffnung in China zurückzuführen.

Operative Ergebnisse der Geschäftssparten (vor Sondereinflüssen)
Eine wichtige Ertragsstütze seien die Finanzdienstleistungen
einschließlich Europcar mit 933 Millionen Euro gewesen, so Pötsch. Im
Nutzfahrzeuggeschäft sei 2005 der operative Turn-around geschafft
worden. Es bleibe aber dennoch von einer angemessenen Rentabilität
„ein gutes Stück entfernt“, machte der Finanzvorstand deutlich. Die
Markengruppe Audi habe den bereits hohen Vorjahreswert noch einmal um
14,8 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro gesteigert. Wermutstropfen sei
dabei aber die Marke SEAT gewesen, „deren massiv gestiegener
operativer Verlust uns zu einer strukturellen Neuordnung zwingt“.

Die Markengruppe Volkswagen habe mit 638 Millionen Euro zwar
deutlich besser abgeschnitten als 2004, „aber bei Weitem noch nicht
gut genug. Denn während sich die Produktlinien ?koda und Bentley im
vergangenen Jahr prächtig entwickelten, konnte Volkswagen Pkw trotz
erheblicher Anstrengungen gerade einmal die operative Null-Linie
erreichen“, sagte Pötsch. „Weitere Restrukturierungsschritte sind
deshalb unausweichlich.“ Die Wiedergesundung der Kernmarke sei
fundamental für die Rückführung des Volkswagen Konzerns auf ein
angemessenes Ertragsniveau. „Ohne eine Restrukturierung insbesondere
der traditionellen inländischen Werke wäre ein langfristig
zukunftsfähiger Volkswagen Konzern undenkbar, und zwar wegen der
hohen Abhängigkeiten; selbst dann nicht, wenn alle übrigen
Konzernteile ihre Ergebnisziele erreichen.“

Restrukturierung

Pischetsrieder betonte, die Marke Volkswagen habe erhebliche
Nachteile bei der Produktivität im internationalen Vergleich. „Die
Exportfähigkeit einiger deutscher Werke ist nicht gewährleistet.“
Deshalb diskutiere der Vorstand mit allen Beteiligten ein
Restrukturierungsprogramm zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit mit
folgenden Schwerpunkten:

– Wettbewerbsfähige Fertigungs- und Arbeitskosten durch eine
fertigungs- und montagegerechte Konstruktion sowie
Arbeitszeitdifferenzierungen.
– Steigerung der Produktivität, insbesondere in den
Fahrzeugmontagewerken etwa durch innovative
Arbeitszeitmodelle und vorgezogene Altersteilzeit.
– Volle Auslastung der Werke auch durch Kapazitätsanpassungen.
– Neuordnung der Komponentenfertigung.

Bei der Analyse der internen Komponentenfertigung gehe es um die
zentralen Fragen: Handelt es sich um eine Kernkompetenz, und ist die
Produktion der betrachteten Komponente zu wettbewerbsfähigen
Konditionen möglich? Pischetsrieder betonte: „Die Produktion von
Motoren und Getrieben zählt für uns als Automobilhersteller zur
Kernfertigung und ist daher nicht Gegenstand dieser Untersuchung.“

Wie bereits angekündigt, könnten von dem Restrukturierungsprogramm
in den nächsten drei Jahren bis zu 20.000 Mitarbeiter im direkten und
indirekten Bereich der Marke Volkswagen betroffen sein. Auf welchen
Wegen die Produktivitäts- und Strukturverbesserungen konkret erreicht
und umgesetzt werden, ist derzeit Gegenstand von Verhandlungen mit
dem Betriebsrat und der IG Metall.

Der Vorstandsvorsitzende verdeutlichte: „Das
Restrukturierungsprogramm und die Durchführung von ForMotion plus
sind notwendige Maßnahmen, mit denen wir unserer langfristigen
Verantwortung für die Zukunft des Unternehmens und seiner Mitarbeiter
gerecht werden. Es genügt nicht, besonders gute Produkte
herzustellen; diese müssen auch für unsere Kunden finanzierbar sein
und eine angemessene Rendite für die Zukunftssicherung
erwirtschaften. Nur wenn uns das gelingt, sind die Arbeitsplätze bei
Volkswagen sicher und das Überleben unseres Unternehmens garantiert.“

Pressekontakt:
Volkswagen Konzernkommunikation
Leiter Konzernkommunikation
Kontakt: Dirk Große-Leege
Telefon: 0 53 61 / 9-2 31 55
Telefax: 0 53 61 / 9-2 14 73

Leiter Unternehmenskommunikation
Kontakt: Thomas Mickeleit
Telefon: 0 53 61 / 9-8 76 04
Telefax: 0 53 61 / 9-7 94 44
E-Mail: thomas.mickeleit@volkswagen.de
www.volkswagen-media-services.com

Quelle: news aktuell GmbH

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