Daimler AG setzt auf individuelle Lösungen für Indien: BharatBenz baut Lkw für den Wachstumsmarkt

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Chennai/Stuttgart (ots) – Weltgrößter Nutzfahrzeughersteller mit neuer Marke präsent
Bisher 600 Beschäftigte im eigenen Werk in Chennai
INTERVIEW MIT ANDREAS RENSCHLER, Nutzfahrzeug-Vorstand, Daimler AG

Indien ist einer der Wachstumsmärkte der Automobilbranche, das gilt besonders für den Nutzfahrzeugbereich. Bis 2020, so die Einschätzung von Experten, wird die Lkw-Industrie in Indien ihr Volumen verdoppeln. Der größte Nutzfahrzeughersteller der Welt, die Daimler AG, baut deshalb sein Engagement auf dem Subkontinent aus. Eine eigene Fabrik in Chennai (dem früheren Madras) im Südosten des Landes ist im Aufbau. Heute (Do., 17.2.) haben Daimler-Vorstandschef Dr. Dieter Zetsche und Nutzfahrzeugvorstand Andreas Renschler vor Ort über den Stand der Dinge informiert, was das Geschäft von Daimler Trucks in Indien angeht. Und sie haben dabei auch eine neue Marke des Konzerns präsentiert, die speziell für den indischen Markt Lkw bauen soll.

Interview Andreas Renschler

1. Herr Renschler, warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt, das Engagement Ihrer Nutzfahrzeugsparte in Indien zu verstärken? Das Wachstum in der Zukunft für Nutzfahrzeuge insgesamt wird in den so genannten RIC-Märkten stattfinden. „RIC“ steht dabei für Russland, Indien und China. Und diese Bedeutung wird zunehmen, und deshalb ist es wichtig, dass wir als weltgrößter Nutzfahrzeughersteller natürlich in diesen Märkten präsent sind. (0:18)

2. Wie sieht Ihre Strategie aus? Grundsätzlich gibt es viele Unterschiede in diesen einzelnen Märkten Russland, China oder Indien. Wir haben für jedes dieser Länder eine spezifische Strategie entwickelt, und dieser individuelle Ansatz wird jetzt umgesetzt. In Indien haben wir uns für eine eigenständige Markterschließung entschieden und dort eine separate Gesellschaft gegründet, nämlich die Daimler India Commercial Vehicles, die dort vor Ort sitzt. Und wir wollen dort nicht nur eine neue Gesellschaft gründen, sondern natürlich mit einem selbstständigen Produktspektrum in diesen indischen Markt eintreten und uns dort unsere Position erarbeiten. (0:43)

3. Und um das zu tun, wird es auch eine neue Marke im Konzern geben? In der Tat ist das so. Wir haben uns lange überlegt: Sollen wir eine existierende Marke nehmen, sollen wir eine neue generieren? Wir haben uns dafür entschieden, eine neue Marke dort zu etablieren, die auf der einen Seite zeigt, dass wir ein global agierender Truck-Hersteller sind, also mit einer Tradition, und auf der anderen Seite natürlich auch in Indien etwas Neues schaffen. Deshalb haben wir uns für BharatBenz entschieden. Benz, die Tradition in unserem Hause, und Bharat steht deutsch übersetzt für „Mutter Indien“, Indien in der Heimatsprache wird „Bharat“ genannt. Deshalb ist diese Kombination BharatBenz. (0:39)

4. Welche besonderen Anforderungen an Lkw stellt denn der indische Markt? Man kann die spezifischen Produkte in diesen Ländern, jetzt mal spezifisch für Indien, am besten so umschreiben, dass die so ungefähr 30, 40 Jahre von den Produkten weg sind, die wir heute hier in Europa auf der Straße sehen. Deshalb ist es wichtig, dass man sich dort erst mal den Markt anschaut, die entsprechenden Produkte dann entwickelt. Und dort entsteht ein solches Segment, das kann man „New Middle Market“ nennen. Also nicht die ganz einfachen Lkw, aber auch nicht die technologisch anspruchsvollen, sondern etwas dazwischen. Und genau da, in dieses Segment, positionieren wir unsere Fahrzeuge. (0:35)

5. Welche Chancen bietet Ihnen das? Wir verkaufen heute im so genannten oberen Segment sehr erfolgreich unser Flaggschiff Actros, den wir auch hier in Europa haben. Aber das sind natürlich überall begrenzte Einheiten, die werden speziell im Minengeschäft, in anderen Geschäften eingesetzt. Und mit unserem neuen Produktspektrum können wir natürlich dann auch am richtigen Volumen-Wachstum partizipieren. (0:20)

6. Ab wann und welcher Kapazität werden Sie die Lkw in Ihrem Werk in Chennai bauen? Wir werden dort sukzessive bis 2012 ein komplettes Produktprogramm anbieten können, das heißt für uns leichte, mittelschwere und schwere Nutzfahrzeuge. Die erste Phase ist also die Anlaufphase, und die zweite Phase geht dann hoch bis zu einer Kapazitätsgröße von 70.000 Einheiten pro Jahr. (0:21)

7. Wie viele Beschäftigte haben Sie in Indien im Moment, und wie viele davon sind Einheimische? Zurzeit haben wir so etwa 600 Mitarbeiter dort beschäftigt. Der CEO ist ein deutschstämmiger Mitarbeiter von hier, Marc Llistosella. Wir haben aber von Anfang an darauf geachtet, dass wir dort ein kulturell passendes Team etablieren, das heißt: sehr viele indische Mitarbeiter. Wir haben ungefähr zwischen 25 und 30 Mitarbeiter von Daimler Trucks positioniert, nicht alle aus Deutschland, aber das sind die Stamm-Mitarbeiter. Der Rest, also sagen wir mal 570, sind erfahrene indische Mitarbeiter. Was wichtig ist in einem solchen Land, ist nicht nur, dass man die Lkw baut, sondern man muss auch die Kunden verstehen. Und dazu brauchen Sie natürlich lokale Mitarbeiter. Das heißt für uns: Wir bauen uns dort einen richtigen, zukünftigen Standort innerhalb unseres Daimler-Trucks-Netzwerkes weltweit auf. (0:50)

Abmoderation:

Auf globale Stärke und lokale Kompetenz setzt die Daimler-Nutzfahrzeugsparte auf dem Wachstumsmarkt Indien: Das eigene Werk in Chennai baut bis 2012 mit der neuen Marke BharatBenz ein komplettes indisches Produktprogramm auf.

ACHTUNG REDAKTIONEN: Das Tonmaterial ist honorarfrei zur Verwendung. Sendemitschnitt bitte an ots.audio@newsaktuell.de.

Pressekontakt: Ansprechpartner: Daimler AG, Silke Walters, 0711 17 41549 all4radio, Wolfgang Sigloch, 0711 3277759 0

Quelle: news aktuell GmbH

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