Von A bis Z – was Autofahrer jetzt über das neue Testverfahren WLTP wissen müssen: Mercedes Benz gibt Einblicke in die neuen Prüfverfahren für Abgas und Verbrauch

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Quelle: ots.Audio

Stuttgart (ots) –

MANUSKRIPT MIT O-TÖNEN

Anmoderation:

Seit September letzten Jahres gelten in der EU strengere Vorgaben für Tests von Kraftfahrzeugemissionen. Neue oder überarbeitete Modelle durchlaufen seitdem Laboruntersuchungen nach dem weltweit harmonisierten Prüfverfahren für Personenwagen und leichte Nutzfahrzeuge, „Worldwide Harmonized Light Vehicle Test Procedure“, kurz WLTP. Zusätzlich werden bei neuen Fahrzeugen, die zum Beispiel einen neuen Motor bekommen, bevor sie für den Straßenverkehr zugelassen werden, die Abgase nicht nur auf dem Prüfstand, sondern auch im realen Straßenverkehr gemessen. Doch obwohl die neuen Prüfverfahren seit jetzt fünf Monaten gelten, kennen sich die wenigsten Verbraucher bei diesem Thema aus. Wir haben deshalb die Mercedes-Benz Ingenieure Christoph Höhmann und Jens Franz gebeten, uns von A bis Z alles genau zu erklären:

Sprecher: A wie Abgasmessung

O-Ton

Für alle Hersteller gilt: Alle neuen Fahrzeuge einer neuen Modellreihe erhalten von der Genehmigungsbehörde nur noch dann eine Typgenehmigung, wenn sie die Einhaltung der Emissionsgrenzen auf dem Rollenprüfstand nach dem deutlich strengeren Messverfahren WLTP, statt wie bisher nach dem NEFZ-Verfahren, erfüllen. Außerdem wird das Abgasverhalten nun auch auf der Straße gemessen, mit dem sogenannten Real Driving Emissions-Test. (0’24)

Sprecher: B wie Bedingungen

O-Ton

Der Gesetzgeber hat die Aufgabe, gleiche Bedingungen für alle Anbieter herzustellen, er bestimmt die Spielregeln, die von allen Marktteilnehmern einzuhalten sind. Durch diese Vorgaben in einem Labortest können Kunden Verbrauch und Emissionen unterschiedlicher Fahrzeuge und Hersteller später direkt miteinander vergleichen. (0’15)

Sprecher: C wie CO2-Durchschnittswert

O-Ton

Der CO2-Austoß von Neuwagen soll nach einem Vorschlag der EU-Kommission vom letzten November von 2020 bis 2025 um 15 Prozent, bis 2030 sogar bis zu 30 Prozent verringert werden. Für 2020 gilt noch ein fest definiertes Ziel von 95-Gramm-CO2 je Kilometer für alle neu zugelassenen Fahrzeuge. Diese Werte sind alle nach dem bisher gültigen Testverfahren NEFZ festgelegt worden. Die Einführung des WLTP ist mit einer Währungsreform vergleichbar. D.h. die CO2-Werte fallen künftig höher aus, obwohl sich die Effizienz der Fahrzeuge kontinuierlich verbessert. Im Durchschnitt steigen die Werte um 22 %. Deshalb werden auch die Ziele auf das neue – strengere – Messverfahren umgerechnet. (0’45)

Sprecher: E wie EU

O-Ton

Seit dem 1. September 2017 gilt in der gesamten Europäischen Union für die Typprüfung von Abgasen und Verbräuchen die Schadstoffnorm Euro 6 in Verbindung mit dem neuen Messverfahren WLTP. Wie der Name schon verrät – „Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure“, also „weltweit harmonisiertes Testverfahren für leichte Fahrzeuge“ – soll der Prüfzyklus in unterschiedlichen Regionen zukünftig eingeführt werden. Indien, Japan und Südkorea wollen mit der Einführung von WLTP bald folgen bzw. haben die Einführung bereits beschlossen. Die Europäische Union übernimmt weltweit eine Vorreiterrolle, da in Europa anders als zum Beispiel in Japan der WLTP direkt auch für Verbrauchstests anzuwenden ist. (0’40)

Sprecher: I wie Informationen

O-Ton

Der Kunde eines Neufahrzeuges ist vor dem Kauf über den CO2-Ausstoß bzw. Kraftstoffverbrauch zu informieren. Hierfür müssen die offiziellen Werte verwendet werden, die auch in den Fahrzeugdokumenten zu finden sind. Außerdem darf für den Kunden keine Verwechselungsgefahr bei den Angaben bestehen. In allen Staaten der EU gibt es unterschiedliche Vorschriften, wie genau die Kennzeichnung am Fahrzeug zu gestalten ist. In Deutschland sind noch bis mindestens Ende August 2018 die Werte nach dem alten Testverfahren NEFZ anzugeben. Dies gilt auch, wenn die Fahrzeuge schon nach dem neuen Verfahren WLTP getestet wurden. Frühestens zum 1. September 2018 werden WLTP-Werte in Deutschland auch am Fahrzeug und in der Werbung anzuzeigen sein. (0’40)

Sprecher: M wie Messung

O-Ton

In dem neuen Testverfahren WLTP werden im Labor Verbrauchs- bzw. CO2-Werte ermittelt und die Einhaltung der Schadstoffgrenzwerte der Norm Euro 6 überprüft. Bei Hybrid- und Elektrofahrzeugen werden auch der Stromverbrauch bzw. die elektrische Reichweite ermittelt. 30 Minuten verbringt ein Testfahrzeug beim WLTP auf dem Prüfstand, rund zehn Minuten länger als beim NEFZ bisher. Das Testverfahren ist insgesamt deutlich anspruchsvoller – sowohl das Fahrprofil als auch die Anforderungen insgesamt. Die Einhaltung von Schadstoffgrenzwerten für Stickoxide und die Partikelanzahl wird bei Fahrzeugen der neuesten Abgasstufe Euro 6d-TEMP mit Umrechnungsfaktoren auch in Straßentests überprüft. Dazu gibt’s eine eigene Testprozedur, den Real Driving Emissions-Test (RDE). (0’45)

Sprecher: N wie „Neuer Europäischer Fahrzyklus“

O-Ton

Nach einem Vierteljahrhundert löst das neue Messverfahren für Schadstoffe und Verbrauchswerte, der WLTP, den bisherigen NEFZ-Prüfzyklus sukzessive ab. Das alte Verfahren stand seit Jahren in der Kritik, weil dieses Messverfahren den realen Fahrbetrieb nur unzureichend abbildet. Deshalb weichen die offiziellen Herstellerangaben von den realen Verbrauchsdaten bei Kunden ab. Bis Ende 2020 werden allerdings parallel zu den WLTP-Werten noch Werte nach dem alten Messverfahren ermittelt. Die NEFZ-Werte werden bis dahin noch für die Flottenzielüberprüfung benötigt, aber zunächst auch noch für die Berechnung der Kfz-Steuer oder die Kundeninformation. (0’35)

Sprecher: P wie Prüfverfahren

O-Ton

Dem WLTP-Testverfahren liegen Nutzungsdaten realer Autofahrten zugrunde. Das Prüfverfahren hat einerseits ein neues, deutlich dynamischeres Fahrprofil mit höheren Geschwindigkeiten. Andererseits sind sehr viele Randbedingungen für die Messung verschärft worden. Zusätzlich werden weitere Einflussgrößen berücksichtigt. Neu ist zum Beispiel, dass beim neuen Prüfverfahren der Einfluss von Sonderausstattungen auf den Kraftstoffverbrauch mitberücksichtigt wird. So fließt zum Beispiel das Extra-Gewicht durch ein Schiebedach mit ein. (0’25)

Sprecher: R wie RDE

O-Ton

RDE steht für „Real Driving Emissions“. Dieses Verfahren ergänzt den WLTP. Damit werden die Emissionswerte bei einer Fahrt unter realen Bedingungen auf der Straße überprüft. Die zulässigen Umgebungsbedingungen decken ein sehr breites Anwendungsfeld ab und sind vom Gesetzgeber festgelegt. Bei einem RDE-Test fährt ein Prüfer mit einem Fahrzeug, welches mit einem portablen Messsystem ausgerüstet ist, eine beliebige im Vorfeld festgelegte Route. Diese muss die erwähnten Randbedingungen einhalten, so gibt es genaue Vorgaben, was zum Beispiel die Geschwindigkeit oder Autobahnanteil angeht. Bei RDE-Tests im Rahmen der Emissionsstufe Euro 6d-TEMP wird die Einhaltung von Stickoxid-Grenzwerten und Limits in der Partikelanzahl mit Umrechnungsfaktoren geprüft. Extreme Umgebungsbedingungen, wie die Fahrt bei Minustemperaturen, werden gesondert ausgewertet. (0’50)

Sprecher: V wie Verbraucher

O-Ton

Das neue Verfahren WLTP ist um einiges strenger als das bisherige Verfahren NEFZ. So werden die Verbrauchswerte deutlich realitätsnäher. Die Differenz zwischen den offiziellen Angaben und den Kundenverbrauchswerten wird sich deutlich verkleinern. Gleichwohl kann es sein, dass die Herstellerangaben und der tatsächliche Verbrauch nicht vollständig übereinstimmen, da der persönliche Fahrstil, das Streckenprofil, die tagesaktuellen Umgebungsbedingungen oder die Beladung einen sehr großen Einfluss auf den Verbrauch haben. (0’27) Sprecher: Z wie Zyklus

O-Ton

Der WLTP hat ein komplett neues Fahrprofil, das aus realen Fahrdaten abgeleitet wurde. Dieses ist deutlich dynamischer als das Fahrprofil nach NEFZ, das heißt, die Beschleunigungen sind größer und wechseln häufiger. Der Zyklus dauert außerdem länger und hat höhere Maximal- und Durchschnittsgeschwindigkeiten als der NEFZ. (0’15)

Abmoderation:

Informationen zum neuen Abgas-Prüfverfahren WLTP von den Mercedes-Benz Ingenieuren Christoph Höhmann und Jens Franz.

Pressekontakt: Ansprechpartner: Mercedes-Benz, René Olma, 0711 17 93314 Mercedes-Benz, Karin Buchmann, 0711 17 58317 all4radio, Hermann Orgeldinger, Louisa Neubauer, 0711 3277759 0

Original-Content von: Mercedes-Benz, übermittelt durch news aktuell

Quelle: news aktuell GmbH

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