„Der Markt ist sicher in Westeuropa schwächer, als erwartet“.

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Quelle: ots.Audio

Genf (ots) –

Daimler-Chef Dr. Dieter Zetsche im Exklusiv-Interview auf dem Genfer Automobil Salon zur aktuellen Marktsituation, zur Markt-Initiative der Chinesen, zur Verjüngung der Marke Mercedes-Benz und zur Internationalisierung der Führungsebene im Daimler-Konzern INTERVIEW MIT DR. DIETER ZETSCHE

Anmoderation

Der Automobilsalon in Genf gilt als wichtigste europäische Messe im Frühjahr. Ob es nach der Messe auch in der wichtigsten deutschen Industrie ein „Frühjahrserwachen“ gibt, ist noch nicht sicher. Mercedes-Benz zumindest verkauft mehr Autos als im Vorjahr und geht davon aus, dass das zweite Halbjahr marktseitig etwas stärker sein wird. Im Exklusiv-Interview äußert sich Daimler-Chef Dr. Dieter Zetsche nicht nur zur aktuellen Marktsituation, sondern auch zum Auftritt der Chinesen in Genf, zur Verjüngung der Marke Mercedes-Benz und zur angestrebten Internationalisierung der Führungsebene im Daimler Konzern.

1. Herr Dr. Zetsche, wie wichtig ist in diesem Jahr der Genfer Automobil Salon für die Autoindustrie?

Genf ist jedes Jahr eine wichtige Messe. Wir haben hier meteorologisch und von den Märkten her den Frühling, den wir testen können, der sich sicherlich in Europa noch nicht so gut anlässt, zumindest was die Märkte angeht, uns trotzdem aber das Gefühl gibt, wo das Sediment ist, was die neuen Produkte sind, die sich hier präsentieren. zusätzlich ist Genf eine sehr sympathische Messe. Die Strecken sind nicht so lang, insofern freuen wir uns jedes Jahr auf Genf, aber gleichzeitig ist es auch wichtig, sich gut vorzubereiten und auch die richtigen Schlüsse mitzunehmen. (0:41)

2. 130 Weltpremieren finden am (heutigen) Dienstag in den Messehallen statt. Auch Ihr Unternehmen hat mit dem neuen CLA, dem A 45 AMG zwei Weltpremieren gezeigt. Die Konkurrenz ist groß?

Das ist richtig. Auf der anderen Seite bin ich immer sehr froh, wenn ich anschließend die Ratings sehe – share of voice. Welche Produktneuheit wie aufgenommen wurde. Und da sehen wir uns immer in den ersten Fünf, insofern ist 130 schön, aber wie viele da hinterher noch kommen, ist nicht so relevant. (0:20)

3. Die chinesische Automarke Qoros hat drei Weltpremieren in Genf angekündigt. Überraschen Sie die Aktivitäten der Chinesen?

Nun, das ist für mich ein völlig natürlicher Schritt. Der chinesische PKW-Markt ist der größte der Welt. Wir sehen natürlich eine große Anzahl chinesischer Hersteller, die in diesem Markt tätig sind. Dass diese sich auch über den Markt hinaus im Export betätigen, ist alles andere als überraschend. Das wird sicherlich am unteren Ende des Volumenmarktes beginnen. Der Weg zum Premiummarkt ist ein sehr, sehr langer , insofern wird es Mercedes direkt über lange Jahre nicht beeinflussen, aber die Gesamtautomobilindustrie natürlich schon, aber letztendlich sind wir alle so gut, weil wir einen intensiven Wettbewerb haben und wenn dort mehr Wettbewerb auftritt kann uns das alle nur besser machen. (0:42)

4. Sie haben zwei Weltpremieren gezeigt, die beide eine jüngere Klientel ansprechen. Welche Strategie steckt dahinter?

Ich möchte immer wieder betonen: Die Kunde, die jung geblieben sind, sind uns hochwillkommen und eine sehr loyale und ganz, ganz wichtige Basis für unseren Absatz. Wenn wir aber stärker wachsen wollen, dann müssen wir darüber hinaus wachsen, in weitere Kundensegmente und da sind Zielgruppen sicherlich jüngere Kunden und auch mehr weibliche Kunden. Die neuen Kompakten sind hervorragend aufgestellt, um beides zu adressieren, Sie finden auch viel Sympathien bei älteren Kunden, aber eben zusätzlich auch bei jungen und da liegt eine riesen Chance für uns. (0:43)

5. Wie wichtig sind Autos wie der A 45 AMG oder der CLA für’s Image?

Es ist ja so, dass die Marke und das Produkt immer in einer Wechselwirkung stehen. Um junge Produkte erfolgreich vermarkten zu können, muss unsere Marke auch dynamisch genug sein und durch junge Produkte wird unsere Marke dynamischer und jünger. Deshalb sind natürlich solche Spotlights, auch wenn sie in der Zahl der verkauften Fahrzeuge keine große Rolle spielen, gerade für die Markenentwicklung extrem wichtig und da ist ganz bestimmt der A45 ein absolutes Traumfahrzeug, insbesondere da der Spaß mit dem Fahrzeug mit der Vernunft gepaart bleibt, bei einem Verbrauch von 6,9 Liter ein wirklich attraktiver Wert. (0:40)

6. Sie haben sich und dem Unternehmen das Ziel gesetzt, 2020 wieder die Nummer 1 im Premium-Segment zu sein. Sind Sie auf dem richtigen Weg?

Ganz eindeutig. Wir haben bisher in diesem Jahr sehen können, dass wir außerhalb von China bereits praktisch gleich viel mit BMW und mehr als Audi verkaufen. China gehört dazu, das heißt ganz sicherlich ist eine stärkere Entwicklung wieder in China ein Kernaufgabenfeld für uns, daran arbeiten wir. Insgesamt gesehen zeigen aber unsere neuen Produkte auf der ganzen Welt hervorragende Resonanz und eindeutig, dass wir auf dem richtigen Weg sind. (0:27)

7. In einem Interview hat der Daimler Personal-Vorstand Wilfried Porth angekündigt, die Führungsspitze des Unternehmens zu internationalisieren. Warum ist das Ihrer Meinung nach nötig?

Nun, wir verkaufen weniger als 20 Prozent unserer Produkte in Deutschland, das heißt also, wir müssen ein bestmögliches Verständnis für die Märkte auch außerhalb von Deutschland haben und das kann man einerseits gewinnen in dem man rund um den Globus tätig ist, wie ich beispielsweise das Glück hatte in der Vergangenheit zu sein. Aber natürlich noch viel überzeugender dadurch, dass man auch verschiedene Länder der Welt in seinem Führungskreis zusammenführen kann. Ein Schritt dahin sind mehr und mehr Gesellschaften im Ausland, die wir durch Locals, durch lokale Mitarbeiter führen lassen. Jüngste Beispiele sind hier unsere größte Auslandsgesellschaft Mercedes-Benz USA oder die ganz wichtige Auslandsgesellschaft in Japan wo wir jeweils einen nationalen Chef eingesetzt haben in jüngerer Vergangenheit. Und daraus können sich dann auch diejenigen rekrutieren, die Morgen im Gesamtunternehmen Verantwortung auch aus Deutschland heraus tragen. (1:04)

8. Lassen Sie uns zum Schluss nach einen Ausblick auf das bisherige und das restliche Jahr 2013 werfen. Wie war der Start und was erwarten Sie in den kommenden 9 Monaten?

Was die Marktseite angeht, ist sicherlich der Start in Europa etwas schwächer Marktseitig als wir uns das alle gewünscht haben. Wir bei Mercedes verkaufen mehr als im vergangenen Jahr in Europa, selbst unter diesen Randbedingungen. Andere Märkte, wie beispielsweise USA sind gut gestartet. Wir hoffen und gehen davon aus, dass das zweite Halbjahr Marktseitig etwas stärker sein wird. Was unsere eigene Gefühlslage angeht, sind unsere eigenen Produkte hier entscheidend und da sehen wir sehr, sehr positive Resonanz. Wir gewinnen Marktanteil praktisch rundherum, und wir haben ja den größten Trumpf noch im Ärmel. Das ist die Vorstellung der neuen S-Klasse im Sommer dieses Jahres und das ist natürlich für uns das wichtigste Produkt überhaupt. (0:50)

Abmoderation

Daimler-Chef Dr. Dieter Zetsche im Interview auf dem Internationalen Automobilsalon in Genf.

ACHTUNG REDAKTIONEN: Das Tonmaterial ist honorarfrei zur Verwendung. Sendemitschnitt bitte an ots.audio@newsaktuell.de.

Pressekontakt: Ansprechpartner: Mercedes-Benz, Jörg Howe, 0711 17 41341 all4radio, Hermann Orgeldinger, 0711 32777590

Quelle: news aktuell GmbH

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