Zukunftperspektiven für Zulieferer, Händler und Hersteller in der Automobilindustrie

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Wuppertal/Köln (ots) –

Vorstandsvorsitzender der Ford-Werke AG referierte bei der IHK
Wuppertal

Komplexe Netzwerkorganisationen und Allianzen,
Informationsaustausch über e-business Plattform, enge,
vertrauensvolle Zusammenarbeit, räumliche Nähe wie zum Beispiel in
Industrieparks, sowie Synergieeffekte durch gemeinsame Nutzung von
Ressourcen für Hersteller, Zulieferer und Händler in der
Automobilindustrie sind für den Vorstandsvorsitzenden der Ford-Werke
AG, Bernhard Mattes, die Basis für den zukünftigen Erfolg der
Branche. Dies war eine der Schlussfolgerungen seines Referats
anlässlich des Neujahrempfangs der Industrie- und Handelskammer
(IHK) Wuppertal-Solingen-Remscheid vor über 600 geladenen Gästen am
Mittwoch, 14. Januar 2004, mit dem Titel „Die Zukunft der
Automobilindustrie unter besonderer Berücksichtigung von Zulieferer,
Hersteller und Händler“.

Bernhard Mattes legte dar, dass die deutsche Automobilindustrie
trotz der derzeit schwachen europäischen Märkte einen Jahresumsatz
von 220 Milliarden Euro macht und direkt in der Automobil- und
Zuliefererindustrie 763.500 Arbeitplätze vorhanden sind, und der
Anteil der Beschäftigten in der deutschen Automobilindustrie an der
Gesamtindustrie sich in den letzten zehn Jahren von 9,5 auf 12,8
Prozent erhöht hat. Zudem hängen 5,5 Millionen Arbeitsplätze in
Deutschland direkt oder indirekt am Automobil. Die Branche tätigt ein
Fünftel aller Investitionen in Deutschland. Auch im Bereich von
Forschung und Entwicklung entspricht der Aufwand von 100 Milliarden
Euro einem vollen Drittel der in der gesamten Industrie ausgegebenen
Summe. Er zeigte außerdem auf, dass das Kfz-Gewerbe Deutschlands mit
knapp 100.000 Auszubildenden größter gewerblicher Ausbilder ist sowie
der Aufwand von über 100 Milliarden Euro für Forschung und
Entwicklung einem Drittel der Ausgaben der gesamten deutschen
Industrie auf diesem Gebiet entspricht. Das Ergebnis sind pro Jahr
etwa 3.000 Patente – ein Drittel aller weltweit angemeldeten
Neuentwicklungen.

Dabei wies Bernhard Mattes darauf hin, dass die gegenwärtigen
Probleme der Hersteller durch schrumpfende Märkte auch die
Zulieferindustrie und die Händler treffen. In der Folge dieses
harten Wettbewerbes haben beide Partner der Industrie ihre
Produktions- und Vertriebsstrukturen verändert. Ergebnis ist eine
engere Verzahnung zwischen Herstellern, Zulieferern und Händlern. So
liefern Erstere beispielsweise kaum noch einzelne Teile, sondern
zunehmend ganze Komponenten. Händlerbetriebe stehen vor allem wegen
der neuen Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) innerhalb der EU vor
einem Wandel vom traditionellen Vertragshändlersystem zum
Mehrmarken- und Mehrartikelhandel. Mattes betonte, dass Ford
gemeinsam mit seinen Partnern im Handel frühzeitig neue Wege
beschritt.

Mattes beleuchtete, dass die Automobilindustrie auf der
Umsatzseite derzeit sowohl mit einem Mengen- als auch einem
Preiseffekt konfrontiert ist. Seit Jahren gehen die absetzbaren
Mengen in Europa und besonders in Deutschland zurück. Wurden im Jahr
1999 noch 18,3 Millionen Fahrzeuge europaweit verkauft, hat sich
diese Zahl bis 2003 um 1,8 Millionen auf 16,5 Millionen reduziert. In
Deutschland sank im gleichen Zeitraum die Zahl an Pkws von 3,8 auf
3,2 Millionen Einheiten. Allerdings habe sich seit 2000 ein
Nachfrageausfall in Höhe von rund 800.000 Pkw aufgebaut, der
zumindest zum Teil als Potential in den nächsten Jahren ansteht.

Dabei werde das Angebot geprägt sein von einer erhöhten
Variantenvielfalt bestehender Baureihen. Die Hersteller begegnen
dieser Entwicklung mit der Einführung flexibler Fertigungsmethoden,
einem teilweisen Outsourcing, dem vermehrten Einsatz von fahrzeug-
und modellübergreifenden Gleichteilen sowie Entwicklungs- und
Produktionskooperationen im Rahmen von Allianzen oder Joint Ventures.

Das Outsourcing der Automobilhersteller stelle einen wichtigen
Wachstumstreiber im Zuliefermarkt dar, der Zulieferindustrie einen
Wachstumsschub von 42 Prozent bringen werde. Die klassische
Vorgehensweise, Teile und Komponenten über eine Vielzahl von
Zulieferunternehmen zu kaufen, werde in der Zukunft zunehmend durch
die Beschaffung komplexer Systeme oder Module bei wenigen Lieferanten
ersetzt. Langfristig sei davon auszugehen, dass nahezu das komplette
Fahrzeug aus der Hand einiger weniger Systemlieferanten kommt. Da
diese komplexen Leistungsumfänge nicht von einem Lieferanten
bewältigt werden können, entstehe mehr und mehr ein Netz miteinander
verbundener Zulieferunternehmen unter der Führung von globalen
Systemintegratoren. Dabei sei jedoch davon auszugehen, dass auch in
Zukunft Nischenspezialisten und Sublieferanten bestehen,
beziehungsweise neuartige Kooperationen mit anderen Unternehmen
entstehen werden.

Im Bereich des Handels vollzieht sich derzeit laut Mattes ein
tiefgreifender, revolutionärer Strukturwandel im Zeitraffer-Tempo.
Neue rechtliche Rahmenbedingungen markieren in jüngster Zeit einen
markanten Einschnitt. Die neue, im Jahr 2002 beschlossene GVO sieht
eine Veränderung des bisherigen Systems vor und soll zu einer
Liberalisierung des Europäischen Marktes beitragen indem sie neben
dem traditionellen Neuwagenvertrieb auch andere Vertriebsformen
zulässt, beispielsweise einen Mehrmarkenvertrieb unter einem Dach.
Einen Haupttreiber der Veränderungen stelle auch das Internet und
damit die Elektronisierung des Autoverkaufs dar. Als reine
Informationsquelle sowohl vor dem Neuwagen- als auch dem
Gebrauchtwagenkauf ist das Internet bereits zum Standard geworden.
Die Profilierung des Autohauses durch die Schaffung von innovativen
Verkaufserlebnissen und einer persönlichen Beratungsqualität wird
somit eine zunehmende Bedeutung für den einzelnen Händler einnehmen.

ots Originaltext: Ford Werke AG
Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de

Ansprechpartner bei redaktionellen Rückfragen:

Bernd F. Meier
Telefon: 0221/90-17520
e-mail: bmeier1@ford.com

Quelle: news aktuell GmbH

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